Weihnachtsbeleuchtung: Video mit Hindernissen

Ich dachte, dass der Bau meiner Weihnachtsbeleuchtung eine Herausforderung sei. Doch das Filmen der Weihnachtsbeleuchtungs-Show und das Präsentieren im Internet stellte sich als ebenso anspruchsvoll heraus.

Der grosse Frust

Am 25. Dezember morgens um 4 Uhr ging ich frustriert ins Bett. Was war passiert?
Anstatt an der familiären Weihnachtsfeier teilzunehmen blieb ich krank Zuhause. Und da nichts gescheites im Fernseher kam, entschied ich mich, meinen Weihnachtsbeleuchtungs-Film zu schneiden und hochzuladen.

Filmen mit dem Fotoapparat

Ein grosser Frust war schon das Ausgangsmaterial. Ich scheine unfähig zu sein, halbwegs scharfe Filmsequenzen aufzunehmen. Geblendet von der Fotokamera Industrie, dass Fotoapparate auch (gut) filmen können, versuchte ich mich mit der OM-D als Kameramann.
Doch im Filmaufnahmebetrieb scheinen andere Gesetze zu gelten als bei der Fotografie. Trotz manueller Einstellung scheint meine Olympus OM-D E-M5 mehr oder weniger die Kontrolle über meine Aufnahmen übernehmen zu wollen. Trotz mehrerer Versuche gelang mir keine einzige scharfe Filmsequenz.

Bearbeiten mit Final Cut Pro X

Genervt entschied ich mich das Filmmaterial trotzdem zu verwenden. Doch auch bei der Videobearbeitungssoftware scheinen ganz andere Gesetze zu gelten als bei der Bildbearbeitung. In der Regel hat man ja konkrete Vorstellungen wie das Endprodukt in etwas aussehen sollte. Zumindest bei der Fotografie geht es mir so. Doch mit Final Cut Pro X war ich dauernd mit Kompromissen konfrontiert. OK, Photoshop erlernte ich auch nicht an einem Tag. Doch scheint mir jegliche Logik und Intuition zu fehlen um die Software anständig bedienen zu können. Und so klicke ich mir, mehr schlecht als recht, eine Art Film zusammen.

Nachbar im Bild

Erst während der Bearbeitung fiel mir auf, dass unsere Nachbarn gerade beim Nachtessen waren. Trotz aller Unschärfe war dieses Detail sehr gut zu sehen. Kein Problem dachte ich, verpixle ich einfach die Stelle um die Privatsphäre der Nachbarn zu schützen. Etwa zwei Stunden später erreichte ich mit viel Geschimpfe ein halbwegs brauchbares Resultat.

Film vertonen

Das vertonen des Filmes gestaltete sich überraschenderweise als sehr einfach. Ich zog die Musiktitel, welche ich für die Weihnachtsbeleuchtung verwendete, in die Timeline und nach wenigen Klicks spielte die Musik synchron zum Film.

Film rendern

Aus unerklärlichen Gründen wollte ich am Ende noch einen Schlussspann mit diversen Informationen zum Film einbauen. Das kostete mich eine weitere Stunde, denn irgendwie wurden die letzten Textzeilen einfach abgeschnitten. Doch so richtig Zeit benötigte Final Cut Pro danach um den Abspann zu rendern. Nach mehreren Anläufen klappte es endlich.

Film auf Youtube hochladen

Irgendwie so um 2 Uhr morgens des Weihnachtstages startete ich mit dem hochladen des Filmes auf Youtube. Das brauchte aus mir unerklärlichen Gründen gegen 2 Stunden. Da ich so viel Zeit in das Filmchen investierte wollte ich unbedingt das Ende abwarten. Durch den Ärger war ich sowieso viel zu aufgekratzt um nun ins Bett zu gehen.

Musik verletzt Urheberrecht

Hätte ich das gewusst, wäre ich trotzdem ins Bett gegangen. Als mein Film endlich auf Youtube hochgeladen war erhielt ich den Hinweis, dass mein Film aus Urheberrechtlichen Gründen nicht in allen Ländern angeschaut werden kann.
Dazu noch ein Hinweis, dass ich mich mit vier Verwaltungen (was auch immer das ist) rechtlich anlege.

Und für welches Land wurde mein Film gesperrt? Natürlich für Deutschland. Da, wo rund 80% der Betrachter meiner Videos stammen. Super.

Urheberrecht ist schon OK

Als Hobby Fotograf bin ich auch darauf angewiesen, dass meine Bilder nicht wahllos kopiert und weiter verwendet werden und sich andere Leute damit bereichern. Das selbe gilt natürlich auch für die Musikindustrie. Der grosse Unterschied liegt jedoch darin, dass es für Fotos offizielle Plattformen gibt wo man Bilder mieten oder kaufen kann. Je nach Nutzen fallen entsprechende Gebühren an.
Leider ist im Musikbereich irgendwie anders. Es scheint praktisch unmöglich, im Musiktschungel seriöse Anbieter zu finden die Musik für nicht kommerzielle Zwecke lizenzieren. Zumindest fand ich selbst nach mehreren Stunden googeln keine solchen Angebote.

Lizenzfreie Musik

Also machte ich mich auf die Suche nach lizenzfreier Musik. Solche Plattformen gibt es ja auch in der Fotografie. Da darf man Bilder für nicht kommerzielle Nutzung kostenlos herunterladen und verwenden. Also googelte ich bereits im Oktober nach den gewünschten Christmas Songs, nach welchen ich dann meine Weihnachtsbeleuchtung synchronisierte. Vermutlich erwischte ich jedoch eine illegale Download Plattform. In der Zwischenzeit gibt es diese URL nicht mal mehr, sie wird auf eine ähnlich lautende Seite weitergeleitet.

Einspruch erhoben

Nach längerem überlegen wagte ich es auf der Videoverwaltungsplattform von Youtube einen Einspruch zu erheben. Damit riskiere ich meinen Youtube Kanal, der inzwischen immerhin über 80’000 Besucher zählt. Doch nun will ich es wissen. Immerhin hört man die selben Songs, welche bei mir gesperrt wurden, auf tausenden von anderen Youtube Christmas Filmchen ebenfalls. Irgend etwas läuft da also schief. Durch die Einsprache ist der Film vorübergehend freigegeben. Die Bearbeitungsfrist seitens der Lizenzanspruchsnehmer läuft bis am 27. Jan.2015.

Fazit

Sollte also durch meine Einsprache mein Kanal gesperrt werden, suche ich mir alternativen zu Youtube, produziere nur noch Stummfilme oder gebe auf. Doch so weit will ich noch gar nicht denken.

Mein letzter Christmas Film, welcher anscheinend auch Urheberrechte verletzt, wurde übrigens über 12’000 Mal angeschaut. Hier passierte bis jetzt nichts weiter und er wurde auch nicht für andere Länder gesperrt.

Es ist erstaunlich, dass die milliardenschwere Musikindustrie sich kein einfach anwendbares Lizenzierungssystem mit fairen Gebühren einfallen lässt. Denn damit würden sie zusätzlich hunderte von Millionen Dollar verdienen und erst noch viel Geld für unsinnige Rechtsstreits sparen. Aber ich glaube der Musikindustrie geht es einfach zu gut. Sie sind wohl so mit Geld verdienen beschäftigt, dass sie eine solche Lizenzierung gar nicht wollen? Lieber private Nutzer kriminalisieren als eine rentable Lösung suchen? Arme reiche Welt!