Kickstarter und seine Tücken

Was ist Kickstarter?

Kickstarter Crowdfunding Plattform

Kickstarter ist eine internationale Crowdfunding Plattform. Wer eine ‚geniale‘ Idee hat, für dessen Realisierung jedoch das nötige Geld fehlt, kann sein Projekt bei Kickstarter vorstellen. Der ‚Creator‘ beschreibt seine Idee möglichst präzise, meistens unterstützt durch einen informativen Videofilm. Die Erfindung, resp. die Entwicklung wird möglichst genau umschreiben. Dazu gehört ein Zeitplan wo aufgezeigt wird wann welche Entwicklungsschritte geplant sind und wann das Produkt fertig ist. Schlussendlich definiert der Anbieter wie viel Geld er benötigt um das Projekt zu realisieren. Es gibt von Kleinprojekten die wenige 100 Dollar kosten bis zu Grossprojekten welche mehrere 100’000 Dollar benötigen.

Wie geht das?

Der Creator (Projektgründer) bietet zu verschiedenen Preisen verschiedene Leistungspakete an. Die Backers (Unterstützer) können auswählen, welches Produkt sie erwerben möchten und bieten den entsprechenden Betrag verbindlich an. Es gibt dabei auch limitierte Angebote (z.B. nummerierte Serie für die ersten Backers) von z.B. 100 Stück. Haben 100 Personen auf diesen Artikel gesetzt, ist das Kontingent ausgeschöpft. Meistens gibt es den selben Artikel für einen etwas höheren Preis in unliniierter Stückzahl.

Wie kommt ein Projekt zu Stande?

Jedes Crowdfunding Angebot hat eine vorab definierte Laufzeit. Nur wenn in der vorgegebenen Zeit genügend Backers gefunden wurden, also die vorgegebene Geldsumme zusammen kommt, wird das Projekt als erfolgreich eingestuft. Und nur in diesem Fall wird den Projektunterstützern das Geld abgebucht. Wenn die Zielsumme nicht erreicht wird ist das Projekt gescheitert und die Backers bezahlen nichts.

Andere Crowdfunding Plattformen

Achtung, es gibt andere Crowdfunding Plattformen wo das Geld in jedem Fall dem Creator bezahlt werden muss. Da geht es meistens um Kunstprojekte, Musikproduktionen, Filmproduktionen usw. Das ist dann so eine Art Spendenplattform mit Gegenleistung.

Kickstarter - Unterstützte Projekte

Nun kommen wir zu den Tücken


Projekthaftung

Kickstarter ist nur die Projekt Vermittlungsplattform. Sie betreiben die Webseite und handeln den Zahlungsverkehr ab. Die Creator können nach erfolgreicher Finanzierung weiter über den Projektverlauf informieren, die Backers stellen in einer Art Forum ihre Fragen usw. Kickstarter hat jedoch gemäss den AGB’s (Allgemeinen Geschäftsbedingungen) keinerlei Projektverantwortung. Sie haben also nichts damit zu tun wenn ein Projekt nicht funktioniert, der Artikel gar nicht hergestellt wird oder wenn es Unklarheiten bei den Versandkosten gibt. Es gibt Berichte über sehr hoch finanzierte Projekte mit mehreren 100’000 Dollar welche nicht zustande kamen.

Opfer der eigenen Erfolges

Es gibt unglaublich geniale Crowdfunding Projekte welche eine riesige Aufmerksamkeit geniessen. Wenn ein Projekt auf grosse Begeisterung stösst kommt es oft vor, dass viel mehr Unterstützer beim Projekt mitmachen als erwartet wurde. Es kommt dadurch eine mehrfach höhere Summe zusammen als erwartet. Das Problem ist, dass in diesem Fall auch entsprechend mehr Produkte produziert werden müssen. So bestellten z.B. beim Projekt „NEEO – The Thinking Remote“ über 6’000 Leute eine Fernbedienung im Gesamtwert von gut 1,5 Mio. Dollar. Die Produktion von über 6’000 Fernbedienungen erfordert jedoch einen viel aufwändigeren Produktionsprozess. Es muss mehr Material bestellt werden (mehr Lagerraum, evt. Lagerhalle nötig), die Geräte müssen zusammengebaut werden (mehr Personal, längere Bauzeit) und der Versand ist auch nicht ohne. Es entstehen zusätzliche Kosten die unter Umständen nicht eingeplant wurden. Der vorgesehen Zeitplan kann nicht eingehalten werden usw.

Technische Probleme

Ich hatte ja selbst schon einige verrückte Projekte umgesetzt wie z.B. meine Weihnachtsbeleuchtung. Hätte ich im voraus geht dass ich auf so viele Probleme stossen würde, hätte ich die Weihnachtsbeleuchtung vermutlich gar nicht gebaut. Und so geht es vielen Kickstarter Projektinitianten. Es tauchen Probleme auf welche man nicht erwartete. Die Software läuft nicht wie sie sollte, die Hardware ist zu wenig stabil oder zu unpräzise. Faktoren wie Klima (Feuchte, Temperatur) wurden zu wenig berücksichtig. Die Lösung dieser Probleme erfordert viel Zeit und es entstehen unvorhergesehene Kosten. Das Projekt verzögert sich und die Backers werden ungeduldig.
Seit Monaten warte ich auf meinen 3D Drucker „The Micro“ welcher schon lange bei mir Zuhause stehen sollte. Die Entwickler kämpfen jedoch mit fast allen hier genannten Problemen und wenn ich die ersten Ergebnisse auf Youtube anschaue glaube ich dass sie vor allem Probleme mit der Druckqualität und der Software haben.

Rechtliche Probleme – Patentschutz, Namenschutz

So genial die Projekte auf Kickstarter sind, vieles wurde bereits erfunden und evt. auch patentiert. Ich selbst glaubte eine geniale Erfindung gemacht zu haben, den aktiv beheizbaren Teller. Also Geschirr welches mittels Energiequelle so lange geheizt wird wie man es benötigt. Passiv geheiztes Geschirr kennen wir ja schon lange (Tellerwärmer oder einfach Teller in Backofen stellen usw.) Aber mit einer Energiequelle habe ich das noch nie gesehen. Doch nach 10 Min. googeln fand ich heraus, dass es bereits seit 2012 ein Patent gibt welches genau diese Idee umschreibt. Bis ins letzte Detail. Der schlaue Kerl hat die Idee patentiert und wartet bis er sie einem Grossunternehmen für viel Geld verkaufen kann. Nun, verletzt ein Kickstarter ein solches Patent welches man gar nicht kannte, kann das riesige Schadenersatzklagen nach sich ziehen. Das selbe Problem gibt es auch bei Namensrechten. Kreative Produktnamen dürfen keine registrierten Namensrechte verletzten und keine Ähnlichkeit mit bekannten Marken haben usw.

Die Kommunikation

Wer ein Kickstarter Projekt erfolgreich lanciert hat muss nebst dem Projekt-Fachwissen einige weitere Fähigkeiten aufweisen. Mann muss sein Projekt und schlussendlich vor allem sein Produkt vermarkten können. Die Backers geben nicht einfach aus Freude Geld aus sondern sie glauben an den Projektverfasser. Solange das Projekt nach Plan läuft ist das ganz ok. Doch wenn es klemmt sollte man die Backers auf dem Laufenden halten und ehrlich, korrekt aber auch motivierend informieren. Gerade für intelligente Köpfe welche hoch technische Produkte entwickeln ist die Kommunikation nicht immer die stärkste Seite. Kommt dazu dass z.B. beim Projekt NEEO 6000 User eine ganz schöne Menge an Fragen stellen können. Die Backers haben Fragen, Wünsche, Ideen und wollen wissen wann sie ihr Produkt erhalten. Bei NEEO reden wir von geschlagenen 3’000 Kommentaren alleine auf der Kickstarter Plattform. Diese zu beantworten erfordert viel Zeit. Und genau die fehlt, wenn es bei der Produktentwicklung Probleme gibt. Als Backer von NEEO lehne ich mich jedoch gelassen zurück und warte bis die Fernbedienung erscheint. Hier habe ich volles Vertrauen in die Entwickler. Sorgen bereitet mir mehr ein Kleinprojekt namens SuperDuino wo ich ebenfalls dabei bin und einen Betrug befürchte. Entweder ist der Projektverantwortliche eine Kommunikationskrücke oder ein abgebrühter Betrüger. Darum habe ich bei diesem Projekt den Ton etwas verschärft und mein Recht eingefordert.

Erfolg der Plattformen

Alles was Erfolg vorweist zieht leider auch Betrüger an. Das ist bei der Auktionsplattform Ricardo genau gleich wie auch bei Kickstarter. Es gibt immer Leute die wollen ohne etwas zu Leisten an das Geld anderer ran. Das ist sehr traurig aber war. Und so wird es zunehmen schwieriger fake Crowdfunding Angeboten von den ernsthaften, wirklich innovativen Angeboten zu unterscheiden.

Kickstarter Projekte wo ich als Backer dabei bin

Kickstrater CineMoco

CineMoco – Timelapse Kamera Slider (2012)

283 Unterstützer / 111’913 Dollar
Kampagne erfolgreich beendet
8 Updates / 140 Userkommentare
Meine Berichte über den Slider
Professionell durchgeführtes Projekt, qualitativ hochwertig, im Zeitplan durchgeführt, das Produkt wird immer noch zum Kauf angeboten

Kickstarter The Mirco - 3D Printer

The Micro: The First Truly Consumer 3D Printer (2014)

11’855 Unterstützer / 3’401’361 Dollar
Kampagne ist massiv in Verzug (geplantes Ende März 2015)
30 Updates / 7’900 Userkommentare
Kämpft mit der hohen Zahl der bestellten Drucker, hat Probleme mit der Druckqualität, Mehrkosten bei Versand und Zubehör

Kickstarter NEEO Fernbedienung

NEEO – The Thinking Remote (2015)

6’081 Unterstützer / 1’558’280 Dollar
Kampagne Zeitlich im Verzug (geplante Auslieferung März 2015)
12 Updates / 2’906 Userkommentare
Das Ziel war von Beginn an sehr hoch gesteckt. Unter Schweizerischer Führung, werden an sich selbst sehr hohe Ansprüche an die Qualität gestellt. Probleme bei der Materialwahl um die hohen Anforderungen zu erfüllen. Voraussichtliche Auslieferung im Herbst 2015

Kickstrater Blynk

Blynk – Build an app for your Arduino project in 5 minutes (2015)

2’321 Unterstützer / 49’235 Dollar (Ziel war 10’000 Dollar)
Kampagne ist im Zeitplan, Software ist verfügbar, wird noch weiter entwickelt
26 Updates / 406 Kommentare
Von verschiedenen Backers gibt es bereits Bestätigungen über den erfolgreichen Einsatz der Lösung. Der Funktionsumfang der App wird jedoch noch weiter entwickelt. Ich hatte noch gar keine Zeit um die App selber auszuprobieren. Ich bin überzeugt dass dieses Produkt auf dem Markt bleibt und von der Erfindern weiter entwickelt wird. Man kann gespannt sein was noch kommt.

Kickstarter SuperDuino

Super Duino (2014)

230 Unterstützer / 13’632 Pfund (Ziel war 1000 Pfund)
Kampagne ist im Verzug (geplantes Ende März 2015)
22 Updates / 48 Kommentare
Alle Zeichen stehen auf Betrug. Der Projektinitiator hatte bereits ein Crowdfunding Projekt erfolglos abgebrochen. Er macht Aussagen die nicht möglich sind resp. sich wiedersprechen. So gab es anscheinend eine erste Auslieferungsrunde welche jedoch keine einzige Person bestätigte. Die Auslieferung von London nach London soll über 4 Wochen dauern! Jetzt wo der Druck steigt hat eine einzige Person vor 3 Tagen den Empfang der Ware bestätigt.
NACHTRAG vom 15. Juni 2015 – Weitere Backers haben den Empfang bestätigt! Es scheint tatsächlich so, dass die SuperDuinos ausgeliefert werden.

 

Fazit

Kickstarter ist eine geniale Plattform mit vielen fantastischen Erfindungen. Man sollte ein bisschen Risikobereitschaft haben um ein Projekt zu unterstützen. Das macht die Sache jedoch genau so spannend im Gegensatz zu einer ‚langweiligen‘ Produkt Bestellung in einem Online Shop. Bei einer Erfolgreichen Kampagne kann man sich mit Stolz als Unterstützer und Finanzierer des Projektes betrachten. Geht es schief muss man selbst entscheiden wie viel Aufwand man betrieben will um ans Geld oder ans Produkt zu gelangen.

Es braucht etwas Feingefühl, Bauchgefühl und Lust zum Poker. Man sollte sich so gut es geht über das Projekt informieren, im Internet nach unabhängigen Berichten umschauen und nur so viel Bieten wie man finanziell verschmerzen kann.
Wer wenig Risikobereit ist sollte das Crowdfunding Projekt abwarten und später auf das reguläre Marktangebot warten. Das Produkt ist dann evt. etwas teurer aber man trägt dafür kein Risiko.

Wie bei so vielem, ziehen erfolgreiche Ideen wie Kickstarter leider auch Betrüger an. Das wird sich insbesondere in der Onlinewelt in Zukunft noch verstärken.

Kickstarter ist eine geeignete Plattform für junge Genies die ein Produkt entwickeln wollen welches unsere geldgierigen Finanzinstitute nicht finanzieren wollen. Durch eine Kampagne findet man heraus ob die Idee wirklich so genial ist wie man es glaubt und bekommt da vielleicht die einzige Chance um sein Projekt zu finanzieren.

Für die Konsumenten ist es eine Steigerung des Online Konsumes. Wer Online Shopping langweilig findet kann hier spannende Produkte finden und mit etwas Nervenkitzel unterstützen. Als Belohnung erhält man ein Produkt was es so noch nicht auf dem Markt gibt.

Have fun!